Ratgeber
Betrügerische SMS und Paketmeldungen in Ruhe lesen
In den Kursen liegt fast jede zweite mitgebrachte Nachricht auf dem Tisch, weil sie Angst macht. Ein Paket, das niemand bestellt hat. Eine Bank, die eine Bestätigung verlangt. Ein Absender, der sich wie die Enkelin anhört und Geld braucht. Der erste Schritt ist immer derselbe: das Telefon umdrehen und eine Minute nichts tun.
Eine echte Sendung der Deutschen Post oder eines bekannten Paketdienstes steht in der App, die Sie selbst eingerichtet haben, oder in einem Brief. Sie steht selten allein in einer SMS mit einem kurzen Link und der Aufforderung, «jetzt zu zahlen». Eine echte Bank schreibt Sie über das Postfach der Banking-App an oder schickt einen Brief. Sie fragt nicht per SMS nach der PIN, nach einem Foto der Karte oder nach einem Code, den Sie gerade auf dem Gerät sehen.
So gehe ich die Nachricht mit der Gruppe durch. Erstens: Steht ein Link darin? Dann tippen wir ihn nicht an. Zweitens: Kennt die Absendernummer jemand in der Familie? Wenn nein, speichern wir sie nicht. Drittens: Gibt es eine gedruckte Nummer auf der Bankkarte, auf der Rückseite des Personalausweises der Krankenkasse oder auf der Website, die wir selbst in den Browser tippen? Diese Nummer rufen wir an. Die Nummer in der SMS lassen wir liegen.
Viele Teilnehmende fragen, ob sie die Nachricht löschen sollen. Löschen ist möglich, sobald Sie ruhig sind. Vorher hilft ein Foto vom Bildschirm, das Sie einer vertrauten Person zeigen — oder mir im Kurs. Wir vergleichen den Wortlaut. Typisch sind Rechtschreibfehler, ein «Ihr Paket liegt bereit» ohne Sendungsnummer, ein Druck, innerhalb von Minuten zu handeln, und eine Anrede, die zu höflich oder zu grob ist.
Für Leipzig gilt zusätzlich: Die örtliche Sparkasse, Volksbank oder Ihre private Bank hat eine Filiale oder eine gedruckte Hotline. Die LVB, die Apotheke in der Käthe-Kollwitz-Straße, das Bürgeramt — sie alle erreichen Sie über Wege, die Sie schon kennen. Eine SMS ändert diese Wege nicht.
Wenn Sie unsicher bleiben, bringen Sie die Nachricht in den Kurs «Sicher im Netz». Wir üben dort das Innehalten so lange, bis es zur Gewohnheit wird. Bis dahin reicht der Zettel am Kühlschrank: «Kein Link. Bekannte Nummer wählen.»